Keramikversiegelung im Test: Was Autofahrer über den Langzeitschutz wissen sollten
Nachdem wir ja das Thema Inneraum bei Oldtimern schon mal in Betracht gezogen haben, schauen wir nun mal auf den ersten Eindruck, sprich den Lack bzw. der Lackpflege von Oldtimern und Autos im Allgemeinen.
Keramikversiegelungen gelten seit einigen Jahren als Allheilmittel für Langzeitschutz für den Lack. Anders als klassisches Hartwachs bilden sie eine chemisch gebundene Schutzschicht auf dem Klarlack, die je nach Produktklasse zwei bis fünf Jahre hält. Für Fahrzeughalter, die den optischen Zustand ihres Wagens erhalten oder den Wiederverkaufswert sichern möchten, ist ein genauerer Blick auf Funktionsweise, Grenzen und Anwendungsbedingungen dieser Beschichtungen lohnenswert.
Wie funktioniert eine Keramikversiegelung technisch?
Keramikversiegelungen basieren in der Regel auf Siliziumdioxid oder Titandioxid in flüssiger Trägerlösung. Nach dem Auftragen vernetzen die Moleküle mit dem Klarlack und härten innerhalb von 12 bis 48 Stunden zu einer transparenten, glasähnlichen Schicht mit einer Dicke von ca. 1 bis 3 Mikrometern aus. Diese Schicht ist hydrophob, d.h. Wasser perlt ab und nimmt beim Ablaufen Schmutzpartikel mit. Die vielzitierten „Härtegrade“ 9H beziehen sich auf die Bleistifthärteskala nach Wolff-Wilborn, nicht auf die Mohs-Skala. Dies bedeutet in der Praxis, dass die Beschichtung vor leichten Wischspuren und Alltagsverschmutzungen schützt, jedoch vor Steinschlag oder tiefen Kratzern nicht.
Ein guter Fahrzeugaufbereiter in Bielefeld arbeitet in der Regel mit Zwei- oder Mehrschichtsystemen, d.h. er kombiniert eine Basisschicht mit einer Topcoat-Schicht. Durch diese Kombination wird die Standzeit sowie die Selbstreinigung der Oberflächen messbar erhöht.
Vorbereitung entscheidet über den Erfolg
Der eigentliche Versiegelungsvorgang macht nur einen kleinen Teil der Gesamtarbeit aus. Rund 80 Prozent der Arbeitsstunden entfallen auf die Lackvorbereitung. Diese besteht aus Handwäsche mit pH-neutralem Shampoo, Reinigungsknete gegen Flugrost und Baumharz, Entfettung mit isopropanolhaltigen Lösungen und einer mehrstufigen Politur zur Beseitigung von Hologrammen und Swirl-Marks. Kleine Anmerkung: Swirl-Marks (auch Waschkratzer genannt) sind winzige, kreisförmige Mikrokratzer in der obersten Klarlackschicht. Sie lassen den Lack dadurch nicht mehr glänzend aussehen, da das einfallende Licht gestreut reflektiert wird. Besonders störend bei bei direkter Sonneneinstrahlung. Erst wenn der Lack frei ist von Kontaminationen und optischen Mängeln, kann die Beschichtung dauerhaft haften. Wird dieser Schritt nicht gemacht oder nur unsauber, dann versiegelt die Versiegelung Fehler und mindert die Haltbarkeit erheblich.
Fachbetriebe messen die Lackdicke vor dem Polieren mit einem Schichtdickenmessgerät, um sicherzustellen, dass genügend Substanz für den Abtrag vorhanden ist. Alles unter 90 Mikrometern ist bedenklich.
Unterschiede zu Wachs, Polymer und PPF
Klassische Carnaubawachse halten je nach Witterung vier bis zwölf Wochen, Polymerversiegelungen sechs bis zwölf Monate, Keramikbeschichtungen zwei bis fünf Jahre, sind aber in der Anschaffung teurer und aufwendiger beim Auftragen (Applikation). Professionelle Keramikversiegelungen für Mittelklassefahrzeuge bewegen sich preislich daher zwischen 600 und 1500 Euro, abhängig vom Vorbereitungsaufwand und von der Anzahl der Schichten.
Zusätzlichen Schutz für den Lack bietet Paint Protection Film (PPF), also die transparente Schutzfolie. Diese stellt gegen Steinschlag und feine Kratzer einen mechanischen Schutz bereit, den keine Flüssigversiegelung bieten kann. Beide Systeme lassen sich kombinieren, indem die Folie an exponierten Partien wie Motorhaube und Stoßstange verklebt wird und der verbleibende Lack keramisch versiegelt wird.
Pflege nach der Versiegelung
Natürlich benötigt auch eine solche hochwertige Beschichtung Pflege, um ihre Eigenschaften zu bewahren. Empfohlen wird eine Handwäsche im Zwei-Eimer-Verfahren mit weichem Waschhandschuh alle zwei bis vier Wochen. Automatische Waschanlagen mit Bürsten sind nicht zu empfehlen, da sie die Beschichtung mechanisch angreifen. Bürstenlose Anlagen mit sauberem Wasser sind in Ordnung, ersetzen jedoch keine Handwäsche.
Zusätzlich bieten viele Aufbereiter jährliche Inspektionen an, bei denen die Hydrophobie geprüft und gegebenenfalls ein sogenannter Booster aufgetragen wird. Dieser Auffrischungslack verlängert die Standzeit um weitere sechs bis zwölf Monate und kostet einen Bruchteil einer Neubeschichtung.
Steigerung des Fahrzeugwertes
Natürlich ist so eine professionelle Versiegelung des Lackes keine günstige Angelegenheit, man sollte sich aber auch immer vor Augen halten, was das Ziel ist. während ein ordentlich gepflegtes Fahrzeug nicht nur schön aussieht wird auch der Wert damit erhöht, falls man doch mal einen Verkauf seines Schätzchens in Betracht zieht.