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Montag, 19. März 2007, 10:46

Driven: Mazda RX-8

Hurra hurra, unser RX-8 ist da. Die Freude ist groß, als uns der nette Überführungsfahrer eines Vormittags den dunkelroten Reis-Renner vors EVOCARS-Portal stellt. Schließlich schlägt in diesem speziellen Mazda ein ganz besonders Herz. Und zwar ein 1.300 ccm „kleiner“ Wankelmotor mit 231 PS (bei 8.200 U/min) und 235 Sachen Spitze. Verständlich, dass wir angesichts von bis zu 8.500 Touren und Wankel-Kult-Auftritten in den drei „Fast and Furious“-Filmen gespannt waren auf unseren neusten Testkandidaten.

Noch am gleichen Abend juckt es uns in den Fingern und wir gehen mit dem 36.049 Euro teuren Sportler auf die Piste. Es ist trocken und die Autobahn ist leer. Beste Bedingungen, um dem Winterreifen-Aufkleber, der zu höchstens 240 Sachen mahnt, einmal auf den Zahn zu fühlen. Schon auf dem Weg zur Autobahn beschleicht uns das Gefühl, dass wir verfolgt werden. Wir werden den Gedanken einfach nicht los. Hinter uns macht sich ein Hayabusa-Fahrer über uns lustig, fährt ohne Licht immer wieder dicht auf. Ganz schlimm wird’s beim Raufbeschleunigen auf die völlig freie Autobahn.

Es dauert bestimmt zehn Minuten, bis uns klar wird, dass das infernalische Kreischen kein Motorrad hinter uns, sondern der Wankel-Teufel vor uns ist. Zu ungewohnt ist diese Geräuschkulisse in einem Auto. Wer die Gänge bis zum roten Bereich bei 8.500 Umdrehungen voll ausfährt, der ist nicht nur in 6,4 Sekunden auf Tempo 100 und in 26,5 Sekunden bei 200, sondern erlebt auch ein ungeahntes Klangspektakel. Gut, ab 180 sind Unterhaltungen fast ausgeschlossen, dafür deutet neben dem Geschrei aber auch rein gar nichts auf das Tempo hin. 180, 200 oder 230 – der RX-8 zieht entspannt seine Bahn und die Federung ist genau die richtige Mischung aus trocken knackig und angenehm Kopfschmerz-freundlich. Und was den Topspeed angeht …wie ihr dem Eintrag im Backstage (5. März 2007) entnehmen könnt, ist die Drehzahlnadel bei Winterreifen-zumutbaren 240 noch rund 1.000 Umdrehungen vom roten Bereich entfernt. Bei grade Strecke und viel gutem Willen dürften also 250 durchaus drin sein.

Nachdem die Punkte Topspeed und Autobahn-Tauglichkeit zur vollsten Zufriedenheit erledigt sind, muss der coole Japse jetzt seine Landstraßen-Qualitäten unter Beweis stellen. Wir ziehen uns zurück auf die Sträßchen rund um Hamburg, meiden Ortschaften sowie Mitmenschen und fühlen unserem Probanden mal so richtig auf den Zahn. Wichtige Erkenntnis: Nur wer den DSC-Schalter unangetastet lässt, hat in engen Kurven und auf leicht rutschigem Untergrund seine Freude. Allen anderen wünschen wir gutes Gelingen, das ausbrechende Heck bei zu viel Gas wieder einzufangen und einen schicken Dreher zu vermeiden. Zwar ist das Kurvenverhalten dank der optimalen Gewichtsverteilung von 50 zu 50 vorbildlich, die Versuchung einen perfekten Drift hinzulegen, ist allerdings allgegenwärtig und hoch gefährlich.

Vor allem die Leistungsentfaltung des letzten Wankel-Vertreters der Welt ist es jedoch, die aus den Sitzen reißt. Selbst eingefleischte Turbo-Bumms-Freunde dürften in Verzückung geraten angesichts der Power, die auch oberhalb von 6.500 Umdrehungen anliegt und den Piloten zu immer neuen Zwischensprints veranlasst. Dieses Baby will getreten werden. Wer die Nadel brav oberhalb von 5.000 hält, der fühlt sich selbst als Vollblut-Autofan zum ersten Mal wie ein Motorradfahrer. Ob das auch für die Negativ-Beschleunigung gilt, zeigt der 100-auf-Null-Schocker. Drei mal nacheinander hauen wir das Bremspedal bei Tempo 100 aufs Bodenblech, halten das Lenkrad stoisch gerade und hoffen, die innenbelüfteten 323er-Bremscheiben vorne und die 302er hinten machen einen guten Job. Machen sie! Zwar reicht es nach dem dritten Versuch etwas streng, aber die versprochenen 42 Meter sind mehr als realistisch.

Etwas mitgenommen vom Bremsen-Harakiri suchen wir uns einen ruhig gelegenen Parkplatz um uns den inneren Werten des Mazda RX-8 Sonder Edition Revolution Reloaded zu widmen. Na dann haken wir mal ab: Sechs Airbags, Elektronisches Stabi DSC, Xenon, Nebellampen, 18-Zöller, Tempomat, Leder-Alcantara-Sitze, Bose-Soundsystem, Klimaautomatik und elektrische Fensterheber. Was diese Liste allerdings verschweigt, ist die rattengeile Ergonomie, die uns im RX-8-Cockpit fesselt. Man sitzt einfach göttlich in diesem Wankel-Teufel und die Mischung aus reinrassigem Sportwagen und Alltags-Spaßgerät ist ein Traum. Die Mittelarmlehne ist extra-hoch, der Schaltknauf so kurz, dass wirklich jeder Mann sagen kann muss „guck mal, wie klein der ist“ und das Lenkrad liegt fantastisch in der Hand. Ein echter Leckerbissen auch der Drehzahlmesser – dominant in der Mitte mit integriertem und zur Unauffälligkeit verdammtem Digitaltacho zeigt er sofort, wohin die Reise im RX-8 geht: nach vorn! Kleiner Kritikpunkt: Der Handbremshebel ist, wenn auch hübsch anzuschauen, etwas weit weg. Doch wer braucht das Ding schon angesichts des Heckantriebs. Wir verstehen uns!
Nur hinten – tja, da darf man nicht sitzen. Höchstens ein Zehn-Minuten-Trip zum Pokerabend lässt sich hier überstehen. Längere Strecken halten nur die vier 12-Jährigen aus, die den Wagen geklaut haben, um schön einen auf dicke Hose zu machen.

Ja, angeben klappt mit dem RX-8 vortrefflich. Allein das Öffnen der hinten angeschlagenen Fond-Türen macht Eindruck. Und erst die fetten Radhäuser, in denen die 18-Zöller noch riesiger aussehen – traumhaft! Weiter geht’s mit einer gewölbten Motorhaube, biestigen Schlitz-Scheinwerfern und einem knackig kurzen Bürzel mit Doppelauspuff. Das gefällt. Ähnlich sticht wohl bei den Coupés nur der erste Audi TT aus der Masse des Einheitsbreis heraus.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Einzig echter Kritikpunkt des ansonsten makellosen und kultverdächtigen Ausnahme-Coupès: der Verbrauch. Ok, ok, die Mazda-Techniker haben dem aktuellen Wankler die abnormalen Trinksitten seines Vorgängers RX-7 abgewöhnt, zum Asket hat sich die Neuauflage aber nicht gewandelt. Mit 11,2 Litern Super geben die Zoomer den Spritverbrauch im Drittelmix an. Dieser Wert mag realistisch sein. Allerdings nur für den, der sich und seinen Gasfuß im Griff hat und von schrillem Rausbeschleunigen und Highspeed-Orgien ohnehin nichts hält. Während der Zeit in der EVOCARS-Redaktion genehmigte sich der Proband jedenfalls nie weniger als 15,44 Liter. Bei stundenlanger Autobahnhatz mit Boden-Auf-Blech-Strategie waren allerdings auch mal knapp 21 Liter fällig.

Unsere Meinung zum Mazda RX-8 mit 231 PS: Das Ding ist cool und wird Kult! Wetten!?




Nur die Stärksten und Schnellsten werden Kult!